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Herausgegeben
von Gerhard Strauss im Auftrag der Akademie der Künste der DDR
mit einem Essay von Gerhard Strauss |
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dieser bibliophilen Seltenheit
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Dietz
Verlag Berlin (DDR) 1982
37 S. mit den Reproduktionen der Zeichnungen, als Buchblock gebunden,
Buch im Schuber, Großes Querformat (38 x 24 cm), Einmalige Ausgabe
in 1300 nummerierten Exemplaren, neu ab Lager.
Im Dietz Verlag Berlin erschienen 1200 Exemplare mit den Nummern
1 bis 1200 sowie die Künstler- und Verlegerexemplare I bis L.
Im
Röderberg-Verlag, Frankfurt am Main, erschienen 100 Exemplare mit
den Nummern 1201 bis 1300
Max
Lingner mußte in Gurs für seine Arbeiten die verschiedensten Papiere
benutzen, unter anderem Tapeten-, Pack- und Seidenpapier. Die getreue
Wiedergabe auch der Rückseiten der Blätter soll einen Eindruck von
der Beschaffenheit dieser Materialien vermitteln.
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Aus dem Essay von Gerhard Strauss
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"Gurs,
eine seltsame Silbe - wie ein Schluchzen, das in der Kehle steckenbleibt!"
Diese Zeile schrieb einst Louis Aragon, französischer Schriftsteller
und Kommunist. Die durch ihn beschworene Vorstellung von einem jäh
unterbrochenen Schluchzen wird noch zwingender, wenn man Gurs als
"Gürß" ausspricht, wie die Franzosen es tun. Die Haltung von Louis
Aragon ... läßt vermuten, daß er bei diesem Satz wohl bedacht hat,
daß nicht nur übergroßer Schmerz und äußerer Terror ein Schluchzen
in der Kehle zu ersticken vermögen, sondern daß es sich selbst wandeln
kann zu einem "Nun gerade!", zu Lebenswillen und Kampfentschlossenheit.
In diesem dreifachen Sinne zeugen auch die Zeichnungen Max Lingners
aus Gurs vom dortigen Leben, nein, vom dortigen Dasein, denn das
Wort "Leben" würde die grausamen Bedingungen verschleiern, unter
denen Menschen in Gurs existieren mußten. Allerdings hatten die
sechs Blätter, die Max Lingner zu einem Zyklus vereinte, gerade
von diesen Bedingungen zu berichten, denn sie sollten ja ausrufen
"au secours de Gurs!" (Zur Hilfe für Gurs!), wie auf dem Titelblatt
vermerkt ist.
Max
Lingner war - infolge seiner langjährigen Mitarbeit an kommunistischen
Zeitungen - schon einen Tag vor Frankreichs Kriegserklärung an Hitler
in Paris verhaftet worden als "dangereux agitateur communste international".
Man hat ihn kreuz und quer durch mehrere Lager südlich der Seine
geschleppt. Als er Ende des Jahres 1940 nach Gurs kam, waren Interbrigadisten
kaum mehr dort, .... . Die Bedingungen im Lager hatten sich aber
kaum verändert ... . Da die französische KP Max Lingner geraten
hatte, sich konsequent als Franzose auszugeben, kam er in die Baracke
mit französischen Leidensgefährten. Dadurch entging er den Fahndungen
der SS und ihrer französischen Helfershelfer nach emigirierten deutschen
Antifaschisten. Daß er sich trotz zunehmender gesundheitlicher Behinderung
sofort aktiv in das Lagerdasein eingeschaltet hat, beweisen auch
seine Zeichnungen aus Gurs.
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aus G. Heider: »Max Lingner in Gurs«, Jüdische Korrespondenz,
Berlin, 1/2004
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Gurs
war ein großes Barackenlager, 1939 angelegt für Flüchtlinge nach
dem Ende des spanischen Bürgerkriegs, die dort interniert wurden.
Nach dem deutschen Überfall im Mai 1940 wurden Tausende der aus
Deutschland, Österreich und anderen Ländern nach Frankreich Geflüchteten
von der französischen Regierung zu »Unerwünschten« erklärt und in
den südfranzösischen Lagern interniert. Die Bedingungen im Lager
waren unerträglich. Um die Not zu lindern, besonders den Kindern
zu helfen, wurden die Schweizerhilfe, die Quäker, verschiedene jüdische
und französische Hilfsorganisationen im Lager tätig. Eine Baracke
diente zugleich als Schulzimmer, wo Internierte die Kinder unterrichteten
und wo auch musiziert und gezeichnet wurde. Einer der Zeichenlehrer
war Max Lingner und hier entstanden Kinderzeichnungen, ebenso auch
seine Blattfolgen. Er vervielfältigte sie, indem er die Blätter
mehrfach zeichnete, aufklebte, zu Alben zusammenheftete und mit
Titelbildern versah, damit sie, von den Helferinnen aus dem Lager
geschleust, als Gegenwert für Milchpulver dienen und zur »Hilfe
für Gurs« aufrufen konnten.
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