Reihe: Chemnitzer Köpfe

 


In den Mühlen der Ebene.
Unzeitgemäße Erinnerungen
Karl Dietz Verlag Berlin 2012

Buchvorstellung mit Dietmar Keller, Kulturminister der DDR in der Modrowregierung

am Mittwoch, 11. Januar 2012,
19 Uhr
Großer Saal im DAS Tietz
Moritzstraße 20
09111 Chemnitz

Erstmals legt Dietmar Keller einen umfassenden Memoirenband vor, den er in seiner Geburtsstadt mit Lesung und Diskussion präsentiert.
Dietmar Keller, Jg. 1942, gehört zu den SED-Politikern, die eine Öffnung der DDR zur Demokratie verfolgten. Während des Krieges in einer proletarischen Familie geboren, erlebte er 1945 die Zerstörung seiner Heimatstadt Chemnitz, seine Kindheit war von den schwierigen Nachkriegsjahren geprägt.
Nach dem Abitur, schon als Schüler arbeitete er als Sportreporter. Da seine Immatrikulation für das Journalistikstudium in Leipzig suspendiert wurde, studierte er Geschichte und machte schon als junger Wissenschaftler mit Publikationen zur Zeitgeschichte auf sich aufmerksam.

 
Nach der Promotion wurde er in die SED-Kreisleitung der Karl-Marx-Universität Leipzig gewählt, von dort begann sein hauptamtlicher politischer Weg, der ihn bis zum Staatssekretär für Kultur und schließlich in der Modrow-Regierung zum Kulturminister führte.
Dietmar Keller galt unter Künstlern und anderen Intellektuellen schon Ende der siebziger Jahre als Hoffnungsträger, was auch der Staatssicherheit nicht entging.
In und nach der friedlichen Revolution zählte Keller in der Partei des Demokratischen Sozialismus zu den wenigen profilierten Politikern, die sich uneingeschränkt für den Bruch mit dem Stalinismus und einer radikalen Erneuerung der Partei einsetzten, letztlich aber scheitern musste.
 


Buchvorstellung mit Dietmar Keller, Kulturminister der DDR in der Modrowregierung

In den Mühlen der Ebene.
Unzeitgemäße Erinnerungen
Karl Dietz Verlag Berlin 2012

am Mittwoch, 18. Januar 2012
18 Uhr
Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen
Harkortstraße 10
04107 Leipzig

 

Dietmar Keller
In den Mühlen der Ebene

 

Gespräch / Zeitgeschichte

Gregor Gysi diskutiert mit Dietmar Keller über dessen Memoiren:

In den Mühlen der Ebene.
Unzeitgemäße Erinnerungen
Karl Dietz Verlag Berlin 2012

am Freitag, 20.01.2012
16:00 Uhr
Café Sibylle
Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin

»In Vorbereitung auf meinen künftigen Arbeitsplatz fuhr ich zu einem Gespräch mit dem Minister für Kultur Hans-Joachim Hoffmann nach Berlin. Erst am Ende des Gesprächs wurde mir klar, warum Hoffmann mauerte, er hielt mich in Leipzig für wichtiger als in Berlin und wusste, dass man als selbstständiger Kopf in der Zentrale schnell verheizt wurde.
Drei Hinweise gab er mir mit auf meinen Weg.
Erstens: In Leipzig konntest du im Prinzip fast alles entscheiden, was du für richtig hieltest, und du musstest zum Schluss kaum dafür die Verantwortung übernehmen, in Berlin kannst du nichts mehr entscheiden, bist aber für alles verantwortlich.
Zweitens: In Berlin wird scharf geschossen, die Kugeln treffen dich in der Regel im Rücken, wenn du noch Zeit hast, dich umzudrehen, lächeln dich alle unschuldig und freundlich und bedauernd an.

  Drittens: Das Telefon in deinem Arbeitszimmer dient deiner Sekretärin, oder, wenn du deiner Frau mitteilen musst, dass es wie üblich später wird. Die persönlichen Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern solltest du in der Regel beim Spazierengehen führen, die frische Luft tut allen Beteiligten gut. Und vergiss nie: Ich kann dir nur helfen, wenn du mir blind vertraust und mich über alles Wichtige beizeiten informierst.
So begann ich in Berlin meine Arbeit, die mir trotz der vielen Vorwarnungen zunächst viel Spaß bereiten sollte, mich aber zugleich nach und nach verdammt dünnhäutig machte.«