Geschichte/Sozialwissenschaften
Lars Borgersrud
Die Wollweber-Organisation in Norwegen

1936, als Nazi-Deutschland offen zum Krieg rüstete, begannen kommunistische Seeleute auf Initiative des sowjetischen Geheimdienstes mit der Errichtung einer internationalen Organisation, deren Aufgabe es war, die Kriegsvorbereitungen, soweit durch Anschläge auf den Schiffsverkehr möglich, zu sabotieren. An der Spitze dieser illegalen Sabotageorganisation stand der Deutsche Ernst Wollweber, der sich vor allem auf den Niederländer Josef Schaap, den Norweger Martin Hjelmen und den Letten Ernst Lambert stützte. Die Wollweber-Organisation hatte Gruppen in vielen nordeuropäischen Hafenstädten ihr Hauptquartier befand sich in Oslo. Bis 1940 verübte sie Brand- und Sprengstoffanschläge auf über zwanzig deutsche, italienische und japanische Schiffe.
Bei der Verfolgung der etwa 200 Angehörigen der Wollweber-Organisation suchte die Gestapo die Zusammenarbeit mit der Polizei anderer Staaten, darunter Dänemarks, Schwedens und Norwegens. Dadurch gerieten viele in die Hände der Gestapo, auch Wollwebers Frau Ragnhild Wiik. Doch trotz zahlreicher Opfer konnte sich die Organisation in Norwegen halten. Als »Gruppe Osvald« unternahm sie bis Herbst 1944 über 110 Anschläge unterschiedlichster Art gegen die Okkupationsmacht, wobei sie mit anderen Widerstandsgruppen zusammenarbeitete und dem aktiven Widerstandskampf zum Durchbruch verhalf.

Autor
Lars Borgersrud, geb. 1949, 1970-1975 Studium an den Universitäten in Oslo und Bergen, zunächst unter dem Pseudonym Ottar Strømme als freier, kritischer Zeithistoriker bekannt geworden. 1994 erwarb er, nach langwierigen Recherchen in norwegischen, schwedischen, deutschen und vormals sowjetischen Archiven, mit einer Arbeit über die »Wollweber-Organisation in Norwegen den Doktorgrad der Historisch-Philosophischen Fakultät der Universität Oslo.