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Geschichte/Zeitgeschichte

Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist
Herausgegeben von Florence Hervé

»Ich wollte keine Deutsche sein«
Waltraut Schälike
Erinnerungen eines linken Weltbürgers
Horst Brie
 Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000
C. Burrichter, D. Nakath, G.-R. Stephan (Hrsg.)
 
Gläubig und Genosse
Hans-Dieter Schütt
Gerry Wolff: »Die Rose war rot«
Wolfgang Herzberg (Hrsg.)
Heinrich Heine »Verlor’ner Posten in dem Freiheitskriege«
Helmut Bock
Ich hatte unwahrscheinliches Glück
Wolfgang Steinitz
Der Staat gegen Mandela
Joel Joffe
 
   


 
Florence Hervé (Hrsg.)
Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist

147 S., mit 9 Abb., Broschur
6,90 €
ISBN: 978-3-320-02096-5

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Florence Hervé

Dr. phil., Dozentin, freie Journalistin und Autorin, Mitübersetzerin der Biographie Clara Zetkins von Gilbert Badia und Herausgeberin u. a. des Kalenders »wir frauen« und eines biographischen Essays über Simone de Beauvoir.

 

Kein Redakteur im heutigen Deutschland würde es wagen, diese Frau in eine Talkshow einzuladen. Diese Frau war Opposition per se: Frauenrechtlerin, revolutionäre Sozialistin, Initiatorin des Internationalen Frauentags, Kriegsgegnerin, Kommunistin in der Tradition Rosa Luxemburgs, 1932 von den Nazis attackierte Alterspräsidentin des Deutschen Reichstags.
Clara Zetkin (1857 bis 1933), vor 1914 die »grande dame« der deutschen Sozialdemokratie, nach 1918 umstrittene und streitbare Persönlichkeit des deutschen Kommunismus, ist immer noch unbequem. Denn es lohnt sich, ihre Thesen zur Frauenerwerbstätigkeit, zur Schulbildung, zu Krieg und Frieden oder zum Faschismus neu zu entdecken.
Nicht zuletzt dafür wird sie abgestraft: mit dem Ausschluß aus dem Erinnerungskanon. Trotzdem hallt der Name Clara Zetkins aus dem vergangenen Jahrhundert herüber, signalisiert er doch immer noch auch denen, die sonst nichts wissen, eines: Widerstand. Dafür wird sie von den einen abgelehnt, von den anderen geliebt.

»Welch bittere Enttäuschung! Nicht nur um den Lebensunterhalt zu finden, greift die bürgerliche Frau zur Berufsarbeit. Sie sucht in ihr einen tieferen, reicheren Lebensinhalt.
Sie flüchtet vor der Öde und Enge des Nichts-als-Aschenputteltums zu der Berufsarbeit als einer Vorbedingung freieren, volleren Menschentums. Heutzutage aber findet sie in ihr nur eine neue Einseitigkeit der Betätigung an Stelle der alten Beschränkung. War sie früher die Nichts-als-Hausfrau, so wird sie nun zur Nichts-als-Berufsarbeiterin. Warum das? Weil in der kapitalistischen Gesellschaft die Arbeit nicht frei ist. Diese Unfreiheit der Arbeit bedingt, daß der Beruf nicht dem Menschen dient, sondern den Menschen beherrscht.« Clara Zetkin
  
  


 
Waltraut Schälike
»Ich wollte keine Deutsche sein«
Berlin-Wedding – Hotel »Lux« – Dietz Verlag

Aus dem Russischen und herausgegeben von Frank Preiß, unter Mitarbeit von Ruth Stoljarowa und Karl Harms
Eine Kindheit im Hotel »Lux« – der Überraschungsfund dieses Herbstes: Dieser Titel erscheint zum 60. Jahrestag des Karl Dietz Verlages Berlin.

344 S., mit 90 Abb., gebunden
24,90 €
ISBN: 978-3-320-02082-8
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Waltraut Fritzowa Schälike
geb. am 20. Januar 1927 in Berlin, kommt 1931 zusammen mit ihren Eltern Fritz und Luise Schälike nach Moskau; während des Krieges lebt sie anderthalb Jahre im Internat der Kommunistischen Internationale; 1949 beendet sie die historische Fakultät der Moskauer Universität; danach geht sie mit ihrem Mann nach Kirgisien, sie wird Hochschullehrerin; ihre Dissertation schreibt sie über die Märzkämpfe in Berlin. 1988 kehrt sie nach Moskau zurück, arbeitet als Redakteurin der Zeitschrift »Neues Leben«. Waltraut Schälike hat drei Söhne und sieben Enkel.


Frank Preiß
Ausbildung an der Offiziershochschule der Landstreitkräfte der NVA, von 1980 bis 1986 Dienst in der NVA; 1986 bis 1990 Philosophiestudium an der militärpolitischen Akademie der sowjetischen Streitkräfte in Moskau, bis Dezember 1990 Lehrer an der Militärpolitischen Hochschule der NVA in Grünau. Seit 1991 für einen internationalen Finanzkonzern tätig.

 

Von 1931 bis 1948 lebte Waltraut Schälike im berühmt-berüchtigten Hotel »Lux«, der Moskauer Herberge für ausländische Kommunisten; länger als jeder andere Deutsche. Nur während des Krieges war sie wie alle anderen Emigranten fern von Moskau. Frank Preiß traf die bald Achtzigjährige im vergangenen Sommer auf ihrer Datscha.
Was die Tochter aus kommunistischem Hause über das Leben im »Lux« berichtet, geht weit über das hinaus, was prominente Gäste wie Wolfgang Leonhard und Ruth von Meyenburg mitteilten. Denn Waltraut Schälike verbrachte nicht nur ihre Kindheit und Jugend dort, sondern erlebte das »Lux« auch aus verschiedenen »sozialen Perspektiven«. Zuerst als privilegierte Tochter eines hochgeachteten deutschen Kommunisten, der in Berlin schon 1918 auf den Barrikaden gestanden und Anfang der zwanziger Jahre den »Verlag der Jugendinternationale« gegründet und geleitet hatte. Später als Tochter zweier Kommunisten, die 1938 gegen die Verhaftung ihres besten Freundes, des ersten Mannes von Lotte Ulbricht und späteren stellvertretenden Kulturministers der DDR, Erich Wendt, protestiert und deshalb Arbeit und Einkommen verloren hatten.
Doch die erwartete Verhaftung der Eltern unterblieb, denn Erich Wendt widerstand der Folter und wurde »rehabilitiert«. Nach dem Krieg – Hitler und Stalin hatten die Reihen der deutschen Kommunisten gelichtet – wurde der Verleger Fritz Schälike trotz eines schweren Augenleidens wieder benötigt, zuerst in Dresden, dann in Berlin, wo er den Verlag der SED, den Dietz Verlag, aufbaute und bis 1963 leitete. Waltraut Schälikes Weg kreuzten viele Menschen mit großen Namen: Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, aber auch die Kinder von Stalin und anderer Großkopfeten des Sowjetstaates wie Molotow und Mikojan, mit denen sie zur Schule ging. Stalins Tochter, die heute zurückgezogen bei London lebt, hielt bei politischen Auseinandersetzungen mehr als einmal die Hand über die oft naive Waltraut aus Berlin. Nach Hitlers Krieg blieb sie allein in der Sowjetunion zurück.
Mit ihrem Lebensweg eignete sie sich aber nicht zur Stalinistin; deshalb ließ sie sich nach der Ausbildung ins ferne Kirgisien schicken.
Sie ist heute eine angesehene Marxforscherin.

  
  


Horst Brie
Erinnerungen eines linken Weltbürgers

223 Seiten, mit 20 Abb., gebunden,
16,90 €
ISBN: 978-3-320-02084-2

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Nach dem Untergang der DDR sind hunderte autobiographischer Titel entstanden, deren Autoren entweder den verschwundenen Staat anklagen oder aber ihre eigene Lebensleistung verteidigen, nicht selten auch rechtfertigen. Es handelt sich zumeist um doppelt gebrochene Biographien mit den Einschnitten 1945 und 1989.
Mit all diesem haben die Erinnerungen von Horst Brie (geb. 1923) nichts gemein. Er zählt zu den wenigen Deutschen, die auf ein Leben aus einem Guss zurückblicken – gerade weil es von so viel anderer Art Brüche geprägt wurde: ein Weltbürger deutscher Herkunft.

In Berlin-Karlshorst aufgewachsen, verließ er mit seinen Angehörigen 1934 als doppelt Bedrohter Deutschland – er war das Kind nicht nur eines in der KPD aktiven Vaters, sondern auch einer Familie, in der die Vorfahren den jüdischen Glauben gepflegt hatten.
Brie berichtet von seiner Rückkehr im Jahre 1945 und seiner Beteiligung am Wiederaufbau, die ihm jung eine ungeplante Karriere als Funktionär bescherte und die durch den aufziehenden Kalten Krieg und die Verdächtigung aller »Westemigranten« 1950 ebenso ungeplant beendet wurde. Das alles wird ruhig und selbstbewusst, frei von Überhöhungen ebenso wie von jeglicher Larmoyanz, erzählt. Das Kapitel über die Zeit in einem mecklenburgischen Dorf liest sich nicht weniger informativ als die Berichte über China, Korea, Japan, Griechenland, wo Brie – 1955 »rehabilitiert« – die DDR diplomatisch vertrat.
Auch wenn er das Understatement – eine der Prägungen, die er im britischen Exil erfuhr – auf angenehme Weise nicht kultiviert, schimmert es durch alle Zeilen und verleiht dem Text damit eine hohe Glaubwürdigkeit: ob er nun über die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten oder über die Begegnungen mit Lenkern der Welt berichtet.
Einen zusätzlichen Wert erhält das Buch durch die Darstellung der Zusammenarbeit mit Spitzenpolitikern der DDR; immer wieder entstehen ganz überraschende Porträts. Auch hier zeigt Horst Brie, dass ihm die eigene Ansicht wichtiger ist als der billige Beifall. Ein Buch, das bleiben wird.
  
    
  



Clemens Burrichter
Prof. Dr. phil., langjähriger Direktor des Institutes für Gesellschaft und Wissenschaft (IGW) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Veröffentlichungen: Fernsehen und Demokratie. Zur Theorie und Empirie der politischen Information des Fernsehens, Gütersloh 1970 (Dissertation); Produktivkraft Wissenschaft. Sozialistische Sozialwissenschaften in der DDR, Hamburg 1970; Grundlagen der historischen Wissenschaftsforschung, Basel/Stuttgart 1979; Fusion der Wissenschaftssysteme – Erfahrungen, Ergebnisse, Perspektiven, Erlangen 1991 (Mithrsg.).

Detlef Nakath
Dr. sc. phil., langjähriger Mitarbeiter am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, 1994 bis 2000 Mitarbeiter an zwei Forschungsprojekten der DFG, seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei »Helle Panke e. V.« Berlin. Mitglied der Leibniz-Sozietät. Veröffentlichungen: Die Parteien und Organisationen der DDR. Ein Handbuch, Berlin 2002 (Mitautor/Mithrsg.); Architekt und Brückenbauer. Gedanken Ostdeutscher zum 80. Geburtstag von Egon Bahr. Bonn 2002 (Mitautor/Mithrsg.); Deutsch-deutsche Grundlagen. Zur Geschichte der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik in den Jahren 1969 bis 1982, Schkeuditz 2002 (Autor).

Gerd-Rüdiger Stephan
seit 1990 Mitarbeiter am Institut zeitgeschichtliche Jugendforschung Berlin, Geschäftsführer der Luxemburg-Stiftung Brandenburg. Veröffentlichungen: Dokumente zur Zeitgeschichte (Berlin 1993 ff., bzw. Hrsg. von sieben Bänden); Die SED. Geschichte – Organisation Ein Handbuch, Berlin (Mitautor/Mithrsg.); Parteien und Organisationen der DDR. Ein Handbuch, Berlin 2002 Mitautor/Mithrsg.).

 

Clemens Burrichter, Detlef Nakath, Gerd-Rüdiger Stephan (Hrsg.)
Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000
Gesellschaft – Staat – Politik
Ein Handbuch

1.357 Seiten, gebunden im Schuber,
mit einer CD-ROM
»Chronologie 1945 bis 2000
und Gesamtbibliographie«
98,00 €
ISBN 978-3-320-02069-9


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Sechzig Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus und fünfzehn Jahre nach der staatlichen Einheit Deutschlands legen prominente Wissenschaftler und Publizisten erstmals eine Überblicksdarstellung zur gesamtdeutschen Zeitgeschichte seit 1945 vor. 1945 wurde Deutschland bekanntlich in vier Besatzungszonen aufgeteilt; von 1949 bis 1990 existierten zwei deutsche Staatsgebilde; seit 1990 entwickelt sich die Bundesrepublik als vereintes Land. Vierzig Autoren aus Ost und West, aus dem In- und Ausland, aus verschiedenen Generationen analysieren nunmehr Parallelen und Unterschiede, sie betrachten Abläufe, Zusammenhänge und Hintergründe. Im Mittelpunkt steht die politische Geschichte Deutschlands sowie die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Das Projekt wurde maßgeblich begleitet von den Sozialwissenschaftlern und Historikern Gerald Diesener, Cornelia Domaschke, Andreas Herbst, Michael Herms, Wolfgang Girnus, Thomas Klein, Daniel Küchenmeister, Andreas Malycha, Wilfriede Otto, Siegfried Prokop, Jörg Roesler und Jörn Schütrumpf.
Das Handbuch »Deutsche Zeitgeschichte von 1945 bis 2000« orientiert sich an den aktuellen Diskussionen über den historischen Platz der DDR, der Bundesrepublik sowie des vereinigten Deutschlands. Es soll Bürgern in den neuen Ländern mit »DDR-Sozialisierung«, in der Alt-Bundesrepublik aufgewachsenen und ausgebildeten Personen sowie der nachgewachsenen Generation den Zugang zu unterschiedlichen Sichtweisen auf deutsche Zeitgeschichte im Zeitraum der »Zweistaatlichkeit« und seit 1989/90 ermöglichen. Der weiter andauernde Prozess der deutschen Einheit erfordert die Vermittlung und Diskussion zeitgeschichtlichen Wissens über die »doppelte« deutsche Vergangenheit nach 1945.
Das vorliegende Handbuch stellt – ebenso wie die vorausgegangenen Bände »Die SED« und »Die Parteien und Massenorganisationen der DDR« – kein starres enzyklopädisches Nachschlagewerk dar. Es entstand in dem Bemühen, Fakten und Zusammenhänge aufzuzeigen, Bewertungen und Differenzierungen auf der Grundlage der bisher zugänglichen Quellen vorzunehmen und die Forschungsergebnisse seit den Ereignissen von 1989/90 zusammenzufassen.

Der Band wird eindrucksvoll ergänzt durch die CD-ROM »Chronologie 1945 bis 2000 und Gesamtbibliographie«. Deren Mittelpunkt bildet eine neuartige Zeittafel, die sich auf die gesellschaftspolitische bzw. politische Entwicklung von 1945 bis 2000 konzentriert, wobei wichtige Aspekte des Alltagslebens berücksichtigt werden. Dargestellt werden 56 Jahre Chronologie in Form des Datums, der Ereignisnennung, eines erläuternden Textes sowie der Quelle mit Titelangabe und genauem Fundstellenverweis. Enthalten sind weiterhin eine ausführliche Bibliographie sowie – zur Volltextrecherche – das annotierte Personenregister.

Die CD-ROM wurde erstellt bzw. bearbeitet von Cornelia Domaschke, Klaus-Dieter Fiebelkorn, Andreas Herbst, Birgit Herms, Christine Krauss, Detlef Nakath, Siegfried Prokop, Gerd-Rüdiger Stephan, Sven Ullrich, Marga Voigt, Jürgen Walther, Susann Nelle, Karla Popp, Katharina Schwerendt, Anne Trunschke.

Die Autoren sind
Marcel Boldorf (Jena), Clemens Burrichter (Berlin), Burghard Ciesla (Berlin), Doris Cornelsen (Berlin), Erhard Crome (Berlin), Horst Dähn (Stuttgart), Gerd Dietrich (Berlin), Gerald Diesener (Leipzig), Bernd Florath (Berlin), Gert Geißler (Berlin), Joachim Heise (Berlin), Andreas Herbst (Berlin), Stefan Keßler (Berlin), Johannes L. Kuppe (Bad Honnef), Siegfried Kupper (Nürnberg), Hubert Laitko (Berlin), Michael Lemke (Potsdam), Reinhard Mocek (Halle/S.), Jean Mortier (Paris), Ingrid Muth (Berlin), Detlef Nakath (Potsdam), Christel Nehrig (Birkenwerder), Wilfriede Otto (Berlin), Ulrich Pfeil (Paris), Alexander von Plato (Hagen), Karla Popp (Berlin), Herbert Reinke (Wuppertal), Jörg Roesler (Berlin), Katrin Schäfgen (Berlin), Volkmar Schöneburg (Potsdam), Lothar Schröter (Potsdam), Siegfried Schwarz (Berlin), Benno-Eide Siebs (Berlin), Joachim Schunke (Strausberg), Joachim Tesch (Leipzig), Marga Voigt (Berlin), Jochen Weichold (Berlin), Klaus Weise (Berlin), Stefan Paul Werum (Hamburg).

  

Hans-Dieter Schütt
bis 1989 Chefredakteur der »Jungen Welt«. Seit 1992 Feuilletonredakteur der Zeitung »Neues Deutschland «. Seine Gesprächsreihe bei dietz berlin besteht inzwischen aus zehn Bänden.

 

Hans-Dieter Schütt
Gläubig und Genosse
Gespräche mit Bodo Ramelow
174 Seiten, Broschur, mit Abbildungen
9,90 €
ISBN 978-3-320-02074-3
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Er ist der kommende Mann der Linkspartei. PDS. Er ist aber auch der Mann, der schon sehr präsent ist. Ihm, dem Wahlkampfleiter, ist wesentlich zu verdanken, daß die PDS so stark im Bundestag vertreten ist. Er wird nun derjenige sein, der die Vereinigung von WASG und PDS verantwortet, sie geistig und praktisch organisiert. Und: Er ist deshalb jetzt der wohl wichtigste Vermittler in der Partei – zwischen den Generationen, zwischen Ost und West, zwischen Pragmatikern und Visionären.
Wer ist dieser Mann? Im Ohr einen Glitzerstein, an den Händen dicke Silberringe. Modische »Beigaben« eines Mannes, der als harter Knochen gilt, als gewiefter Taktiker. Manche nennen ihn einen »scharfen Hund«. Der 49-Jährige ist das jüngste von vier Kindern, aufgewachsen im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck. Tiefe Torflandschaft. Ein »Kind der Nach-68er-Bewegung« nennt er sich selber. Und konservativ-evangelisch. So einer als führender Sozialist? Er kämpfte gegen Berufsverbot, war in Mittelhessen hauptamtlicher Gewerkschafter, wirkte nach dem Ende der DDR als Schlichter für die Kumpel von Bischofferode. 1999 trat er der PDS bei und schockierte mit seinem Stehvermögen, seinen Ideen in Thüringen. Als Fraktionsvorsitzender wurde er zu einem der erfolgreichsten Regionalpolitiker seiner Partei.
Die Gespräche mit Bodo Ramelow porträtieren einen Politikertypus der Moderne, der zu tun hat an der Schnittstelle von reduzierten Möglichkeiten von Politik und zugleich wachsenden Sehnsüchten der Menschen nach Werten, nach Orientierung. Er ist ein eigensinniger Kerl, sehnig, berechenbar, originell. Einer, der mitten im Leben steht und den man trotzdem nach den großen, letzten Dingen des Daseins befragen kann.
  
Wolfgang Herzberg (Hrsg.)
Als Sohn jüdisch-deutscher Emigranten 1944 in England geboren, in Ostberlin aufgewachsen. 1964 bis 1971 Studium der Kulturwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität. Seit 1981 freiberuflicher Publizist von biographischen Interviewbüchern und Autor von Rocktexten für »Pankow« sowie Liedern und Gedichten.
Wolfgang Herzberg (Hrsg.)
Gerry Wolff: »Die Rose war rot«
mit Audio-CD
160 Seiten, mit Abbildungen, Broschur, mit einer CD,
14,90 €
ISBN 978-3-320-02070-5
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»Gerry Wolff hat sein Leben nicht zu einem Buch verarbeitet, doch es wäre filmreif gewesen«, schrieb die »Berliner Zeitung« im Februar 2005 in ihrem Nachruf auf den großen Schauspieler. Doch der tragikomische Schelm schlug selbst seinen Nachrufverfassern noch ein Schnippchen. Denn bereits 1999 hatte er ein längeres lebensgeschichtliches Interview gegeben, das hier erstmals postum veröffentlicht wird. Seine Lebenserzählung ist in der Tat filmreif: Sie steht für jene jüdisch-deutsche Generation, die als Kinder und Jugendliche nach England emigrieren mußten und dort zu Kommunisten wurden. Sie kehrten nach 1945 bewußt in die entstehende DDR zurück, litten aber nicht selten an den Zuständen dort; manche scheiterten an ihnen auch tragisch. Gerry Wolff gehört dennoch in die Ahnenreihe jener jüdischen Überlebenden, die der Theater-, Film-, Fernseh- und Chanson-Kultur der DDR ein unverwechselbares Gesicht und eine warmherzige Stimme gaben.
Helmut Bock
Prof. em. Dr. phil. habil., Historiker. Vormals Akademie der Wissenschaften der DDR; Einzelvertrag im Wissenschafts-Integrations-Programm seit 1992. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Vormärz (Börne, Heine, Kulturgeschichte), zur Geschichte und Kritik der bürgerlichen Revolutionen von 1789 bis 1917/21, zu Krieg oder Frieden im Wandel der Geschichte. Im Karl Dietz Verlag erschien 2002 seine Dokumentation: Wir haben erst den Anfang gesehen. Selbstdokumentation eines DDR-Historikers 1983 bis 2000.
Helmut Bock
Heinrich Heine
»Verlor’ner Posten in dem Freiheitskriege«
Zum 150. Todestag
127 Seiten, Broschur
9,90 €
ISBN 978-3-320-02075-0
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»Ein Posten ist vakant! –
Die Wunden klaffen –
Der eine fällt, die andern rücken nach –
Doch fall’ ich unbesiegt und meine Waffen
Sind nicht gebrochen –
nur mein Herze brach.« (»Enfant perdue«)

Der Historiker, der mit einer Biographie über Ludwig Börne, den deutsch-jüdischen Patrioten und Republikaner, überzeugte, hat nunmehr Heinrich Heine, den jüdisch-deutschen Dichter und Weltbürger, erwählt.

Am Gestade des Rheines sieht er ihn aufwachsen: »Zeitkind Napoleons«, genährt mit »französischem Geiste«. Aufklärung also, sogar Ideen der Revolution (1789). Mit den Pyrrhussiegen der Restauration aber kommen über den Kaufmann, Studenten, Poeten auch Unordnung und frühes Leid. Ein Querdenker und einsamer Widerständler, ringt er sich durch, lässt er in Gedichten und Reisebildern die Puppen der Mächtigen tanzen. Freilich kommen ihm Zweifel, ob er, der die Revolution in der Literatur vertreten will, Mitstreiter finde: »Denn der Deutsche ist von Natur servil, und die Sache des Volks ist nie die populare Sache in Deutschland.« Auf Helgoland genießt er das Fern-Erlebnis der zweiten Pariser Revolution (1830): »Ich bin ganz Freude und Gesang, ganz Schwert und Flamme.« So fährt er schließlich über den Rhein, den »Jordan«, hinter dem das ferne Paris als ein »Mekka« der Gläubigen schimmert, die sich für »Freiheit« und »Gleichheit« begeistern. Es wird tiefe Enttäuschungen und keine Heimkehr geben. Der »letzte Dichter « der deutschen Romantik und »erste« der bürgerlichen Moderne muss quälende Jahre in seiner Pariser »Matratzengruft « verbringen. Aus dem Siechtum des Körpers aber erhebt sich ein hellwacher Geist zur Zwischenbilanz der gelebten, nicht vollendeten Epoche: »Nein, die Revolution ist noch eine und dieselbe, wir haben erst den Anfang gesehen, und viele werden die Mitte nicht überleben!« Denn noch immer sind »Liberté! Égalité! Fraternité!« nicht verwirklicht.

Bocks Essays, hinter deren brillanter Gestaltung die Mühen der Forschung wohltuend verdeckt bleiben, lassen den Dichter als Zeitgenossen, »unseren älteren Bruder«, begreifen. In der Kette der Generationen, die für eine gerechte und solidarische Menschenwelt streiten, hat sich der Geistkämpfer Heine selbst gesehen.

Klaus Steinitz, Wolfgang Kaschuba (Hrsg.)
Wolfgang Steinitz:
Ich hatte unwahrscheinliches Glück
Ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik
384 Seiten, gebunden, mit 34 Abbildungen
19,90 €
ISBN 978-3-320-02905-0
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Klaus Steinitz
Professor, Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied der Leibniz-Sozietät. Zahlreiche Veröffentlichung zur deutschen und internationalen Wirtschaftsentwicklung seit 1990.
Wolfgang Kaschuba
Professor für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Europäische Ethnologie.
 

An Wolfgang Steinitz erinnert bis heute das Signum »nach Steinitz«, eine benutzerfreundliche Umschrift für das Russische, die bis in unsere Tage viele Verlage verwenden. Sein 100. Geburtstag im Jahre 2005 war Anlaß für verschiedenste Erinnerungen an den Frühverstorbenen (1967). Daß einem Philologen und Völkerkundler, noch dazu einem bekennenden Kommunisten fast vierzig Jahre nach seinem Tod so ausführlich gedacht wird, deutet auf seine Ausnahmestellung hin. Er schuf gleich in mehreren Disziplinen Bleibendes: in seinem eigentlichen Fachgebiet, der Finno- Ugristik, in der Slawistik, in der Germanistik sowie in der Ethnologie. Das »Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache« findet heute ebenso noch Verwendung wie seine Sammlung deutscher Volkslieder.

Steinitz gehörte zu jenen Intellektuellen, die sich in den zwanziger Jahren der Entwicklung in der Sowjetunion verschrieben, als rassisch Verfolgter arbeitete er nach 1933 erst in Moskau, dann als Gastprofessor an der Universität Stockholm und entging so den Verfolgungen, den viele deutsche Emigranten ausgesetzt waren. Nach 1945 übernahm er im Osten Deutschlands verschiedene leitende Tätigkeiten in der Wissenschaft und war zugleich politisch engagiert, u. a. als Mitglied des SED-Zentralkomitees, aus dem er aber nach seiner Kritik an der Politik der SED 1958 ausschied.

Steinitz hat in mehreren Fächern einen großen Kreis von Schülern geschaffen. Viele von ihnen sind in diesem Band vertreten – ein Stück Reflexion von Wissenschaft und Politik in den ersten beiden Jahrzehnten der DDR auf außergewöhnlich hohem Niveau.

 
Joel Joffe
Der Staat gegen Mandela
Die Jahre des Kampfes und der Rivonia-Prozeß
Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Denis Goldberg, dem Angeklagten Nummer Drei

Aus dem Englischen von Edelgard Nkobi

ca. 303 Seiten, Broschur
14,90 €
ISBN 978-3-320-02076-7
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Im Rivonia-Prozeß wurden 1964 Nelson Mandela und als einziger Weißer Denis Goldberg zu lebenslanger Haft wegen ihres Kampfes gegen das Apartheid-Regime in Südafrika verurteilt. Eine internationale Solidaritätskampagne verhinderte die geplanten und bis dahin in Südafrika üblichen Todesstrafen. Der Rivonia-Prozeß wurde zum Anlaß für eine breite Widerstandsbewegung, die 1989/90 schließlich zur Befreiung Mandelas und seiner Freunde sowie zum Sturz des Apartheid-Regimes führte. Der Anwalt Nelson Mandelas, Joel Joffe, hatte gleich nach dem Rivonia-Prozeß dieses Buch über die wirkliche Geschichte um Mandela und Genossen verfaßt, es aber dreißig Jahre lang in der Schublade gelassen, um seinen Mandanten nicht zu gefährden. Es erschien erstmals 1994 in Südafrika.